Pursahs Thomasevangelium Spruch 62

J sprach: Ich enthülle meine Geheimnisse denen, die für meine Geheimnisse bereit sind. Lasst eure Linke nicht wissen, was eure Rechte tut.

Bereitschaft und Bereitwilligkeit ist das große Thema. Bin ich bereit Werte, die meine Weltsicht ausmachen in Frage zu stellen, ja zu entwerten? Im "Kurs in Wundern" heißt es, um diesen Kurs zu verwirklichen musst du bereit sein jeden Wert dieser Welt infrage zu stellen. Warum lässt sich die Wahrheit nur durch die Negation der Welt sichtbar machen? Weil diese Welt, und das Wertesystem dieser Welt von uns gemacht wurden, um die Wahrheit unsichtbar zu machen. Obwohl jedes Sandkorn dieser Welt reiner Geist ist und die Wahrheit spiegelt, verwandeln wir scheinbar die Welt durch unser denken und urteilen in Unwahrheit, in eine dualistische Achterbahnfahrt. Scheinbar heißt hier unserem Denken, dem denkenden Geist erscheint es so, ohne in Wirklichkeit so zu sein. In unserem Denken, entstehen Konzepte, Wertesysteme, Symbole und Bilder die wir vor dieWirklichkeit stellen. Diese Konzepte und Symbole halten wir aber dann für die Wirklichkeit.

Dies erinnert an Goethes Zauberlehrling, dem der eigene Zauber über den Kopf wächst. Dann rufen wir den großen Meister, der alles wieder in Ordnung bringen soll:
  Herr, die Not ist groß!
  Die ich rief, die Geister
  Werd ich nun nicht los...
Und in der Tat benötigen wir Hilfe von außerhalb des Systems. Und diese Hilfe ist bereits da und wartet nur auf unseren Hilferuf. Aber sie benötigt unser ernsthaftes Eingeständnis, dass die Hilfe außerhalb unseres Verstandes liegt. Der Verstand möchte nur Hilfe akzeptieren die er verstehen und kontrollieren kann, die ihm richtig erscheint. Wie sollte er Hilfen annehmen die ihn überflüssig machen?  Sind wir bereit Hilfen außerhalb unserer Wertvorstellungen anzunehmen? Sind wir bereit Gnade, Wunder, Barmherzigkeit zuzulassen?
Sind wir bereit die Linke nicht wissen zu lassen was die Rechte tut? Es gibt keinen Kompromiss zwischen der Unwahrheit und der Wahrheit. Suchen wir nicht gerade ständig diesen Kompromiss? Wollen wir nicht ständig die Welt retten, anstatt sie zu durchschauen, und als Schule des Geistes zu benutzen ? 
Kann denn nun unser Verstand gar nichts zu dem Heilungsprozess beitragen? Doch, wir können den Verstand dazu benutzen, sich selbst abzuschaffen. Der Verstand ist durchaus in der Lage zu erkennen, dass er die Wahrheit nicht erkennen kann. Als Beispiel für unseren Kulturkreis kann hier Nietzsche genannt werden, der in beeindruckender Weise seinen Verstand zur Auflösung des Verstandes benutzt hat. Er vergleicht diesen Prozess mit dem Feuer, denn die Wahrheit ist das Einzige was nicht zerstört werden kann, was nicht brennen kann, was nicht zu Kohle wird, da sie schon immer ist was sie ist.
    Ja, ich weiß, woher ich stamme,
Ungesättigt gleich der Flamme
Glühe und verzehr’ ich mich.
Licht wird alles was ich fasse,
Kohle alles, was ich lasse,
Flamme bin ich sicherlich.
(Aus Friedrich Nietzsche, Ecce homo. Wie man wird, was man ist)