Pursahs Thomasevangelium Spruch 56

Wer diese Welt erkannt hat, hat einen Leichnam gefunden, und wer einen Leichnam gefunden hat, dessen ist die Welt nicht wert.
Diese Welt erkennen, heißt jeden Wert den wir dieser Welt gegeben haben, in Frage zu stellen. Dies geschieht nicht, indem wir sie zum Jammertal erklären und uns von ihr abwenden. Der springende Punkt dabei ist, für die Welt die wir zu sehen glauben, die Verantwortung zu übernehmen. Wahrnehmung bedeutet für wahr nehmen, und somit ist Wahrnehmung eine geistige Entscheidung. Unsere Wahrnehmung beruht auf unserer unbewussten Entscheidung Trennung sehen zu wollen. Um eine neue Entscheidung zu treffen, ist es notwendig diese unbewusste Entscheidung bewusst zu machen. Um diesen Prozess geht es, wenn es heißt die Welt zu erkennen.
Nietzsche hat dies sehr schön in seinem Bild der drei Wandlungen beschrieben. Im ersten Abschnitt unseres Lebens geht es darum ein Kamel zu sein. Ein Kamel ist ein Lasttier. Es geht darum die Lasten dieses Lebens tragen zu lernen, nicht vor ihnen wegzulaufen. Dies beinhaltet mit diesem Leben hier zurecht zu kommen, "normal" zu sein. Erst dann kann die zweite Phase sinnvoll beginnen. Er nennt sie die Phase des Löwen. Jetzt geht es darum, jeden Wert dieser Welt infrage zu stellen. Dies ist ein geistiger Prozess. Es geht nicht darum gegen die Werte dieser Welt zu kämpfen. Was ich bekämpfe mache ich durch meinen Kampf wirklich. Illusionen können nicht bekämpft, wohl aber durchschaut werden. Illusionen die durchschaut werden, werden als wirkungslos erkannt. Die Idee eines von Gott getrennt Ichs mit eigenem Willen ist eine solche Illusion. Die Welt wird als Leichnam erkannt. Ein Leichnam ist ein Symbol für etwas, was ohne Leben ist.
Die Werte der Welt infrage zu stellen und um Hilfe, um eine neue Wahrnehmung, zu bitten ist unser Anteil an der Heilung. Diese Haltung macht den Weg frei für das, was Nietzsche das Kind nennt. Es ist nichts anderes als die Erinnerung an unsere geistige Gesundheit, die Rückkehr der klaren Erkenntnis, dass Trennung unmöglich, und deshalb nie geschehen ist.