Pursahs Thomasevangelium Spruch 42

Werdet Vorübergehende.

Diese zwei Worte drücken einen ganzen Lebensstil, eine ganze Lebenshaltung aus. Ein Vorübergehender hält an nichts in dieser Welt fest.  Er hält nicht fest, weil er ein anderes Ziel vor Augen hat. Er geht an dieser Welt vorüber, weil er hier nicht zu Hause ist. Er geht vorüber, er rennt nicht vorüber, er läuft auch nicht davon. Diese Haltung wird gerne vom Ego dahingehend fehlinterpretiert, sich nicht ganz auf dieses Leben in dieser Welt einzulassen. Dies ist aber nicht gemeint. Nietzsche hat dies sehr schön in seinem Zarathustra ausgedrückt, indem er von der Lebensphase des Kamels, des Löwen und des Kindes gesprochen hat. Diese Phasen gelten nicht nur für unsere Lebensspanne, nein wir durchlaufen diese drei Phasen bei jedem Problem oder bei jeder Herausforderung der wir uns gegenübersehen. Das Kamel ist ein Lasttier und trägt geduldig die Lasten dieser Welt. Dieses Leben mit allen Lasten, die sich in Beziehungen, im Beruf, in der Freizeit zeigen anzunehmen, ist die erste Aufgabe, die nicht umgangen werden kann. Erst dann kommt die Phase des Löwen. Dies ist Nietzsches Bild dafür, alle Werte dieser Welt infrage zu stellen. Ein Vorübergehender kann ich nur sein, wenn ich keine Angst mehr vor dieser Welt habe. Nietzsche wählt das Symbol des Löwen, um den Mut zu verdeutlichen den es braucht, die Werte dieser Welt infrage zu stellen und der Angst zu begegnen. 
Der Löwe kämpft nicht in oder gegen diese Welt. Er versteht, dass das Infragestellen der Werte ein geistiger Prozeß ist. Dabei läuft das Leben als Kamel geduldig weiter. Den Löwen beschäftigt nicht was er sieht, sondern wie er interpretiert was er sieht, denn durch die Interpretation wird erst die Bedeutung und der Wert festgelegt. Die Welt die wir zu sehen glauben, mit vielen Körpern die sich gegenseitig angreifen, ist nichts anderes als unsere verrückte Idee der Trennung von der Einheit. Die Welt zu vermeiden, und nicht als Kamel zu dienen, macht sie scheinbar wirklich, denn eine unwirkliche Welt müsste ich nicht vermeiden. Als Kamel zu dienen und alle Werte der Welt gleichzeitig als Löwe zu hinterfragen, eröffnet uns die Möglichkeit , die Welt als das zu sehen was sie ist: ein Traum. Hinter dem Traum wird das Kind sichtbar, das immer da war, und nur vom Traum verdeckt wurde. Es ist das Kind Gottes, reiner Geist, ganz und unschuldig, unberührt von jeder Trennungsidee.
"Werdet Vorübergehende", habe ich auf mein schönes, froschgrünes, von einem guten Freund auf Maß angefertigtes, heiß geliebtes Fahrrad geschrieben. Jesus bittet uns nicht spirituelle Fassaden zu pflegen, und auf die freudigen Erfahrungen dieser Traumwelt zu verzichten. Er bittet uns einfach darum , nicht zu vergessen, dass kein Ding oder keine Erfahrung dieser Welt, die Liebe Gottes ersetzen kann. Es gibt nichts was Gottes Sohn braucht, da er bereits alles hat. Es gibt nichts was Ihm den Frieden nehmen könnte, den Gott ihm gegeben hat. Daran erinnere ich mich jedes Mal, wenn ich mein Fahrrad am Laternenpfahl abschließe.