Pursahs Thomasevangelium Spruch 41

J. sprach:"Wer etwas in seiner Hand hat, dem wird mehr gegeben, und wer nichts hat, dem wird auch das wenige, das er hat, genommen."
Dieser Spruch zeigt Jesus als östlichen Lehrer. Es gibt ein gleichlautendes Koan von Zen Meister Basho Esei, der im 10. Jhd lebte:
Meister Basho sagte zu seinen Zuhörern: "Wenn du einen Stock hast, gebe ich dir einen. Wenn du keinen Stock hast, nehme ich ihn dir weg."
Das Thema ist bei beiden Lehrern die verrückte Idee von geben und nehmen. Diese verrückte Idee von geben und nehmen beruht auf dem Grundsatz, wir seien getrennte Geister in getrennten Körpern. Diese Idee hat überhaupt nichts mit unserer alltäglichen Erfahrung zu tun. Zum Beispiel sitze ich hier gerade auf einem Stuhl und schreibe diesen Blog. Ich lege jetzt die Hand auf die Stuhllehne und dies erzeugt eine Empfindung. Spüre ich jetzt die Hand? -Ja- Spüre ich den Stuhl? -Ja- Ich spüre also Hand und Stuhl, aber sind dies zwei Empfindungen oder eine? Es  ist eindeutig eine Empfindung, eine Erfahrung. Die getrennten Konzepte von Hand und Stuhl existieren nur in unserem Verstand, nicht in unserer alltäglichen Erfahrung. Deshalb ist das Konzept von geben und nehmen verrückt. Verrückt heißt auch, weg gerückt von der Wirklichkeit, also unwirklich. 
Wer etwas in seiner Hand hat, dem wird mehr gegeben. Wer glaubt etwas haben zu können, glaubt an  Trennung. Er glaubt, ihm wurde etwas vorenthalten, was ihm jetzt noch gegeben werden kann. Wer etwas in seiner Hand hat, dem wird mehr gegeben, bis er erkennt, dass er schon alles hat. 
Wer nichts hat, dem wird auch das wenige, das er hat, genommen. Wer glaubt nichts zu haben, geht genauso an der Wirklichkeit vorbei. Er glaubt an die Verleugnung. Die Wirklichkeit aber ist größer als Bejahung und Verleugnung. Also wird ihm die verrückte Idee des nichts genommen.
Jesus fordert uns auf die verrückte Idee von geben und nehmen beiseite zu legen. Wir können uns nur selbst etwas geben oder wegnehmen. Da ist sonst niemand.